Lemong’o Update Januar 2026

Lemong’o Update Januar 2026

Mit dem Ablauf des Jahres 2025 bin ich für Lemong’o sehr zufrieden. Von kleinen Stolpersteinchen abgesehen, lief alles sehr ordentlich. Ich bin wirklich glücklich, dass die Zusammenarbeit mit Lehrer Philip vor Ort so gut funktioniert. Er hat verinnerlicht, dass die Spendengelder, die für Lemong’o eingehen, absolut zweckgebunden sind, und die organisatorischen Kosten auf ein Minimum beschränkt werden müssen. Wer das nicht kapiert, hat keine Chance, mit uns zu arbeiten.

Zum Abschluss des Jahres haben wir wieder ein Meeting für alle Schüler gemeinsam durchgeführt. Dieses Mal durften alle in den Schlafsälen der St. Maria Goretti Rombo Schule übernachten, wo die meisten unsere Mädchen ihre Secondary Schulzeit verbringen, und wir konnten die Klassenzimmer benutzen für das Seminar. Nachdem ein Jahr vorher alle nach Lemong’o reisen durften, war es diesmal umgekehrt, so dass die Schüler, die im Großraum Lemong’o wohnen, auch eine kleine Reise hatten. Solche „Abenteuer“ sind für normale Familien aus Kostengründen unmöglich, so dass viele ihr Dorf noch nie verlassen haben.


Pünktlich zu Beginn des Meetings setzte der langersehnte Regen ein, so dass wir unser Programm umstellen mussten und zunächst die Schulgespräche durchgeführt wurden. Philip hat sich Unterstützung von Lehrern der Rombo Schule geholt und mit jedem einzelnen Schüler ein ausführliches Gespräch geführt über die schulischen Leistungen des vergangenen Jahres und die Zielsetzungen für 2026.


Motivation für jeden Einzelnen und alle zusammen ist das Hauptziel des Seminars, und ich staune immer wieder, wie erfindungsreich diejenigen sind, die vor der Gruppe stehen, um diese Aufgabe zu erfüllen.
Spiele, Gesänge und vor allem eine gute Verpflegung gehören zu jedem Meeting, da laufen alle zu Hochform auf.


Es ist mir ein großes Anliegen, unsere Schützlinge zu sensibilisieren für Umwelt und Natur. So hat dieses Mal jeder ein T-Shirt bekommen mit der Aufschrift: Nature is my Future. Die Idee mit den T-Shirts wurde schon öfters angesprochen, und ich habe mich bisher gewehrt, weil ich finde, dass die Massai in ihrer traditionellen Kleidung am allerschönsten aussehen. Aber die Jugendlichen wollen sie nur zu Hause tragen und zu Stammesfesten. Ich kann das irgendwie verstehen, bei uns geht auch niemand mehr in Tracht zur Arbeit.

Zu den „Natur“-Aktivitäten wurde also die entsprechende Bekleidung angelegt und gleich richtig eingeweiht, denn die Fahrt zu Philips Schule, wo dieses Mal die Baumpflanzaktion stattfand, war aufgrund der Witterungsverhältnisse eine große Herausforderung.


Alle waren wieder mit Feuereifer dabei, und die Menschen vor Ort waren begeistert, denn in der Gegend dort ist kaum ein Baum oder Strauch zu sehen.

Philip hatte noch die schöne Idee, dass jeder Schüler einen Setzling mit nach Hause nehmen darf, und in einem Jahr derjenige prämiiert wird, der ihn am besten gepflegt und zum Wachsen gebracht hat.


Da das Interesse und die Begeisterung beim Besuch des Amboseli Nationalparks so groß war, wollte ich den Jugendlichen dieses Mal einen Besuch im Tsavo West gönnen, der nicht allzu weit entfernt ist und eine völlig andere Landschaft bietet. Leider ist dieser Plan im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen, der Weg dorthin war unpassierbar.

So kam schnell die Idee auf, stattdessen wieder den Amboseli Park zu besuchen. Auf keinen Fall sollte dieser Programmpunkt ausfallen. Aufgrund unserer guten Beziehungen zum Parkmanagement dort konnten wir das kurzfristig umstellen und den Amboseli ansteuern zur großen Freude aller.

Unser kleines Feriencamp ist für die Schüler ein ganz besonderes Erlebnis. Obwohl sie auch in die Mangel genommen werden, sind sie jedes Mal begeistert, Das macht uns auch froh!

Aber die nächste Herausforderung steht schon vor der Tür. Im Januar beginnt das neue Schuljahr.  Es gibt ein neues Schulsystem, nach dem möglichst alle Schüler nach der sechsjährigen Primary School und der darauffolgenden dreijährigen Junior Secondary nochmal drei Jahr Senior Secondary absolvieren sollen. Neu ist in dieser Stufe eine Art Kurssystem, in dem die Schüler angeblich auf ihren späteren Berufsweg vorbereitet werden sollen. Für diese Schulstufe gibt es nur in den größeren Städten Tagesschulen, alle anderen Schüler müssen in Internate gehen, was das Ganze für die Eltern unerschwinglich macht. Die Angebote für eine praktische Ausbildung sind aber noch weiter weg und noch teurer. Wir haben damit bisher leider noch keine guten Erfahrungen gemacht.

So haben wir seit Ende Dezember eine Flut von Anfragen und Bewerbungen für einen Platz in unserem Förderprogramm. Gestärkt durch besonders großzügige Spenden zum Jahresende haben wir schon über 20 Jugendlichen eine Zusage erteilt. Genauso viele, teilweise herzzerreißende Bewerbungsbriefe liegen uns noch vor und verursachen sowohl Philip als auch mir schlaflose Nächte, weil wir wissen, dass diese jungen Menschen ohne uns kaum eine Chance haben. Die Mädchen werden verheiratet, damit sie versorgt sind, und die Jungs müssen sich irgendwie durchschlagen ohne Ausbildung. Wir tun unser Möglichstes!