Lemong’o Update April 2026
Lemong’o Update April 2026
Im März konnte ich gemeinsam mit zwei guten Freundinnen, Mitgliedern der ersten Stunde, endlich wieder eine Reise nach Kenya machen mit dem Ziel, möglichst viele unserer Schützlinge dort zu treffen.
Genauso wichtig ist die Begegnung mit den Eltern. Der Normalfall ist, dass die Kinder und Jugendlichen in der Familie leben und schon im zartesten Alter als Arbeitskräfte eingebunden sind. Die Jungen müssen sich um das Vieh kümmern, für die Mädchen heißt es, Wasser und Feuerholz schleppen und die kleineren Geschwister beaufsichtigen – und so früh wie möglich gewinnbringend verheiratet zu werden. Selbst wenn wir die Schulgebühren übernehmen, ist es wichtig, dass die Familien dahinterstehen, den Wert der Schulausbildung zu schätzen wissen und uns vertrauen. Normalerweise ist der Monat März das Ende der Trockenzeit, ab Mitte April beginnt es zu regnen. In diesem Jahr gab es schon im Januar und Februar sintflutartige Regenfälle in weiten Teilen des Landes, die große Schäden anrichteten. Zwar hatten wir im März nur noch einige nächtliche Schauer, aber die Straßen waren in katastrophalen Zustand und brachten sogar unseren erfahrenen Fahrer und den guten alten Landrover an die Grenze der Belastbarkeit.
Philip, unserem Koordinator vor Ort, lag es sehr an Herzen, dass wir auch sein Dorf besuchen. Aus seiner Umgebung kommen einige unserer Schützlinge. Ich treffe die Auswahl der Schüler, die wir auf ihrem weiteren Bildungsweg unterstützen, immer aufgrund der Schulnoten und habe deshalb mehrere Jugendliche aus seinem Umfeld aufgenommen, weil sie bessere Noten hatten als die Mitbewerber aus Lemong’o und bedürftige Eltern, die eine Weiterbildung absolut nicht bezahlen können. Aufgrund der Straßenverhältnisse war bis zuletzt nicht klar, ob wir Philips Dorf erreichen würden, wo alles für unseren Empfang perfekt geplant war, aber wir haben es letztlich geschafft.
Auf dem Weg besuchten wir eine Nachbarin von Philip, Leah Kapeni, deren Tochter im Januar bei der Geburt ihres Babys gestorben ist. Sie lebt in einem bescheidenen Gehöft und versorgt jetzt nicht nur das Neugeborene, sondern auch die älteren Kinder. Als ich im Januar vom Schicksal dieser Familie erfuhr, sagte ich Unterstützung zu. Momentan bezahlen wir das Milchpulver für den kleinen Peter Koinange.
Bei unserer Ankunft in Philips Manyatta war nicht nur seine Familie anwesend, sondern auch die Eltern der von uns betreuten Schüler. Wir wurden sehr herzlich empfangen und mit vielen Dankesreden und Gebeten geehrt. Ich ergriff die Gelegenheit, die gute Zusammenarbeit mit Philip und seinen unermüdlichen Einsatz für die Schwachen ausführlich zu schildern und zu loben. Das war vor seiner Familie und seinen Freunden wichtig. Er wurde mit einem wunderschönen perlenbesetzten Stock beschenkt als Dank für seine Vermittlerrolle.
Zu unserem Segen wurden wir mit Milch aus traditionellen Kalebassen besprüht, was unseren Klamotten nicht gut bekam, aber sicher unseren Seelen. Wir erhielten handgefertigte Geschenke: Umhänge und Armbänder, bestickt mit unseren Namen, Ketten und Ohrgehänge.
Der Höhepunkt war ein gemeinsames Mittagessen zu unseren Ehren, an dem alle teilnahmen.
Wir haben Philips Dorf, das übrigens auch Lemong’o heißt, und seine Bewohner als etwas fortschrittlicher empfunden als unser ursprüngliches Lemong’o. Es gab keine traditionellen Rundhütten, sondern etwas geräumigere und hellere Blechhütten. Das gemeinsame Mittagessen war so ansprechend präsentiert, dass wir mit Appetit gegessen haben.
Natürlich wurde wir auch in „unserem“ Lemong’o wieder freudig empfangen und herzlichst begrüßt. Die meisten Anwesenden kenne ich seit Jahren, aber auch die Eltern der Jugendlichen, die seit diesem Jahr mit unserer Hilfe in die Secondary School gehen dürfen, waren anwesend, und wir durften uns kennenlernen. Für die Kommunikation benötigen wir immer einen Dolmetscher, denn im Dorf wird Maa gesprochen, eine ganz andere Sprache als die zweite Landessprache Kisuaheli. Aber auf der nonverbalen Ebene verstehen wir uns sehr gut.
Als Gastgeschenke hatten wir wie immer Obst dabei. Die Geschenke, die wir erhielten, waren wieder mit viel Liebe hergestellt und ausgesprochen kostbar. Es tut mir immer leid, dass ich dafür so gar keine Verwendung habe und sie deshalb nicht richtig würdigen kann.
Auch ein Schulbesuch stand wieder auf dem Programm. Diesmal besuchten wir die St. Maria Goretti Girls Secondary in Rombo. 16 von unseren Mädels sind dort schon im 3. und 4. Jahr, 10 neue sind in diesem Jahr dazugekommen.

Unser Kontaktmann Mr. Evans hat die Mädels sorgfältig auf unseren Besuch vorbereitet, und wir waren froh, dass wir die Schule trotz der widrigen Straßenverhältnisse erreichen konnten. Jedes Mädchen hat einen individuellen Dankesbrief verfasst und überreicht. Gemeinsam haben sie nach Jahrgangsstufen jeweils ein Gedicht verfasst und vorgetragen.
Ich konnte mit jeder einzelnen Schülerin sprechen. Ich lasse mir nach jedem Term die Noten übermitteln, und wir haben bei den Mädchen einige mit wirklich vielversprechenden Ergebnissen. Tatsächlich ist erstmalig eine Einser-Schülerin dabei. Auch diejenigen, die seit Januar in dieser Schule sind, haben durchweg gute Ergebnisse.

Für jeden Schüler ist es höchstes Ziel, die Secondary School besuchen zu können. Ein Großteil der Motivation ist die Tatsache, dass es dort regelmäßige Mahlzeiten und ein eigenes Bett für jeden gibt. Diesbezüglich gebe ich mich keiner Illusion hin und kann es auch verstehen. Zuhause lebt die ganze Familie in einer dunklen, fensterlosen Lehmhütte mit der Feuerstelle in der Mitte und einem Podest als Bett für alle. Für uns ist es – ehrlich gesagt – jedes Mal eine Überwindung, diese Hütten zu betreten. Man hat das Gefühl zu ersticken im Rauch und in der Dunkelheit.
Umso mehr freue ich mich darüber, wenn die jungen Leute ihre Chance nutzen, fleißig lernen und gute Noten erzielen, immer mit einem Berufsziel vor Augen. Es gibt keinen anderen Weg in eine bessere Zukunft.



























